Omoremi, 24 - „Auf sich selbst gestellt zu sein, bringt einen weiter“

von Julia Göhring

„Auf einmal ist man komplett auf sich allein gestellt – und alles ist anders: Anderes Land, andere Menschen, andere Kultur“, sprudelt es aus Omoremi Hicken heraus. Er klingt begeistert, wenn er über das Praktikum in Portsmouth in England spricht, das er im März 2012 während seiner Ausbildung gemacht hat. Omoremi ist 24 Jahre und Fachkraft für Lagerlogistik bei hansewerkzeug in Hamburg. Bei dem Werkzeug-Großhändler für Profi-KFZ- und Handwerksbedarf nimmt Omoremi täglich Waren an, stellt Lieferungen zusammen und packt Pakete.

Berufsschullehrerin und Chef schlagen das Auslandspraktikum vor

„Das Erlebnis war toll“, bekräftigt Omoremi jetzt. Dabei ist ihm zunächst ein bisschen mulmig zumute gewesen bei dem Gedanken, alleine einen Auslandsaufenthalt zu bewältigen. Von selbst wäre Omoremi nie auf die Idee gekommen, während der Lehre im Ausland zu arbeiten. Seine Berufsschullehrerin hat ihn angesprochen. Sie weiß, Omoremis Chef, Florian Pichler, bietet aus Überzeugung allen seinen Auszubildenden ein Praktikum im Ausland an. „Dabei lernen sie viel: Sie müssen sich selber organisieren, sie sehen, dass man in anderen Ländern anders arbeitet, verbessern ihr Englisch und ihre soziale Kompetenz. Sie werden selbständiger“, weiß Florian Pichler. Sein Betrieb arbeitet dafür mit Katrin Busche von der Organisation „Arbeit und Leben. Hamburg“ zusammen, die Praktika im europäischen Ausland für Auszubildende organisiert. Das Programm wird von der EU gefördert, so dass Omoremi einen Zuschuss für Reise, Unterkunft und Verpflegung beantragen kann.

In Portsmouth ist alles anders – aber gut!

„Da habe ich mir gesagt: Das will ich versuchen, das bringt mich weiter“ entscheidet sich Omoremi nach einem gemeinsamen Gespräch mit seiner Lehrerin und seinem Chef. Omoremi besucht ein Vorbereitungsseminar bei „Arbeit und Leben“. Katrin Busche findet über eine Partnerorganisation ein Praktikum für Omoremi bei einer Möbelfirma in Portsmouth. „Mein Chef hat mir dann geholfen, einen Flug zu buchen und eine Krankenversicherung abzuschließen. Die Unterkunft haben die Partner von „Arbeit und Leben“ in Portsmouth besorgt. Sie haben uns auch vom Flughafen abgeholt und den Ablauf erklärt. Wir waren bei einer alten Dame untergebracht, die Räume untervermietet, Frühstück und Mittag gab es dort auch“ erzählt er. Wir, das sind Omoremi und zwei andere Auszubildende aus seiner Berufsschule.

Und auf einmal ist alles anders – aber das meiste gefällt Omoremi gut. „Jeden Tag schien die Sonne, es war warm. In Hamburg war es um die Zeit noch sehr kalt und grau. Auch die Kulisse von Portsmouth hat mir sehr, sehr gut gefallen. Es ist nicht so groß wie Hamburg, hat aber auch einen Hafen. Wir haben Rundgänge gemacht, die Navy besichtigt, vieles erklärt bekommen“, erinnert sich Omoremi.

In seinem Praktikum entwickelt Omoremi neue Fähigkeiten

Auch auf der Arbeit macht er etwas anderes als im Betrieb in Hamburg: Omoremi baut Möbel zusammen und liefert sie gemeinsam mit den dortigen Kollegen aus. „Es war toll, etwas Handwerkliches zu machen“ erklärt Omoremi. Er freut sich: „Als ich jetzt mit meiner Freundin in Hamburg-Bergedorf zusammen gezogen bin, habe ich problemlos die Regale und Schränke aufgebaut. Es fällt mir viel leichter, weil ich durch das Praktikum strukturierter bin, ich gucke auf den Plan, wo alles detailliert steht und dann mache ich es so.“ Auch sein Chef Florian Pichler findet es gut, dass Omo, wie er ihn nennt, auch noch andere Arbeit als die in der Logistik kennenlernt.

Mit den englischen Kollegen und Kunden kann sich Omoremi gut verständigen – seine Eltern kommen aus Nigeria und sprechen mit ihm und seinen Geschwistern zuhause Englisch. Deshalb kann er auch seine mitreisenden Azubis bei Sprachproblemen unterstützen. Abends ziehen sie immer los, sich außer Haus etwas zu essen besorgen.  Dass er sich das leisten kann, hat Omoremi auch seinem Chef zu verdanken, der ihm ein großzügiges Taschengeld mitgegeben hat.

Fussball spielt man überall

Das englische Essen gefällt Omoremi nicht so -  die englische Fussballkultur dafür umso mehr. „Wir haben die ganze Stadt zu Fuss erkundet. Auf einem Fussballplatz haben ein paar Kinder gekickt. Da haben wir spontan mitgespielt. Am nächsten Tag sind wir wieder hingegangen und dann öfter gekommen“, erzählt er. „Schnell gehörten wir zur Kickerrunde dazu, da hat eine ganz gemischte Truppe gespielt. Das war mit das Beste in England!“ Er fügt hinzu: „Wir sind nicht schlecht. Aber die Engländer spielen wirklich anders, viel härter. Die waren schon gut.“

Omoremi ist selbständiger geworden

„Vor der Reise habe ich mich mehr im Hintergrund aufgehalten“, meint Omoremi im Rückblick, „jetzt bin ich viel selbstbewusster und selbständiger. Ich fühle mich sicherer, dass ich mir selbst helfen kann. In England musste ich mich ja auch um alles selbst kümmern, komplett alleine. Das war wie eine Prüfung.“ Omoremi ist von zuhause ausgezogen und hat seine Ausbildung mittlerweile abgeschlossen. Auch bei der Arbeit, meint er, ist er jetzt viel strukturierter. Eine Einschätzung, die auch sein Chef bestätigt: „Omo ist jetzt viel organisierter und eigenständiger.“

Für Omoremi ist deshalb klar, welchen Tipp er anderen Azubis geben würde: „Wenn man die Chance dazu bekommt, dann sollte man das in jedem Fall machen! Das bringt einen nach vorne und man verändert sich in eine positive Richtung!“