Abed - Als Elektroniker-Azubi zu Besuch bei Präsident Macron

Abed hat schon in vielen Ländern Elektroschaltungen verschraubt. Nach der Ausbildung zum Elektriker im syrischen Homs studiert er zwei Jahre Elektrotechnik. Dann muss die Familie vor dem Krieg fliehen. Abed arbeitet in Ägypten und Libyen bis sich die Lage dort verschlechtert. Flucht über das Mittelmeer, er strandet in Lüneburg. Er möchte in seinem Beruf bleiben, kann aber keine Zeugnisse vorlegen. Deshalb beginnt er eine Ausbildung als Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik. „Man muss immer Neues lernen“, sagt Abed. Als die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ihm schreibt, dass er ein Praktikum in Frankreich machen kann, bewirbt er sich sofort.

Um 8:30 Uhr musste ich in der Firma sein, dann sind wir alle ins Café gegangen; die anderen haben Kaffee getrunken, ich habe gefrühstückt. Meine Kollegen waren total lieb, tolles Arbeitsklima, keine richtige Hierarchie. Ich habe meine eigenen Aufträge bekommen, habe selbstständig Schaltschränke und Medienverteiler in neue Häuser eingebaut. Das hat mich gefreut. Ich hatte richtig Bock darauf, die Arbeit zu schaffen. Wenn man seine Arbeit für den Tag erledigt hat, ist Feierabend.

Das bin ich mit meinen Kollegen.

Wir haben auch die Berufsschule in Rouen besucht. Hier montiere ich gerade eine Sparwechselschaltung.

 

Im französischen Betrieb habe ich „smarte“ Elektronik montiert. Die Technologie war ganz neu für mich. Man kann alles auch über das Smartphone oder Internet steuern.

In Lüneburg hatte ich vorher einen Französisch-Kurs gemacht, der von der Handwerkskammer organisiert wurde. Im Betrieb habe ich oft auch den Google Translator benutzt. Oder ich habe Freunde angerufen, die in Paris leben, die haben dann am Telefon übersetzt. Man muss immer Lösungen suchen, um zu kommunizieren. In Lüneburg habe ich selber schon als Dolmetscher für die Caritas gearbeitet.

Das bin ich vor der Kathedrale von Rouen. Das ist eine Stadt in der Normandie. Die Menschen dort sind fast immer auf der Straße und sitzen in den vielen Cafés und Bars.

Hier stehe ich in einen Restaurant mit französischen Spezialitäten. Besonders war, dass es trotzdem arabisch dekoriert war und dort viele Sprachen gesprochen wurden, auch Deutsch.

Das bin ich mit meiner Mobilitätsberaterin Frau Sommer in der alten Berufsschule von Rouen. Sie hat uns am Anfang nach Frankreich begleitet und wieder abgeholt.

Wir waren eine Gruppe von sechs Jungs aus Deutschland und abends immer unterwegs, ins Kino, feiern, essen gehen. Gewohnt haben wir in einem kleinen Apartment in einem Hotel.

Wir sind zusammen nach Paris gefahren, das war toll. Hier sitzen wir in der Uni von Paris, der Sorbonne.

Weil wir ein Auslandspraktikum mit Erasmus+ gemacht haben, haben wir sogar eine Einladung zu einer Rede von Präsident Macron bekommen.

Macron hat über Europa gesprochen. Auf der Bühne waren Menschen aus vielen europäischen Ländern. Europa hat keine Grenzen. Man kann hier frei leben. Die Kulturen und Sprachen, das sollte sich immer ein bisschen mischen. 

Zurück am Flughafen in Hamburg – es war cool in Frankreich, aber es ist auch schön, wieder hier zu sein.

Hier habe ich gerade meinen Europass bekommen. Ich bin jetzt auch „EuroApprentice“ und mache Werbung für Auslandspraktika mit Erasmus+.

Viele Auszubildende haben Angst davor, ins Ausland zu gehen. Als EuroApprentice erzähle ich ihnen, wie viele neue Dinge man im Auslandspraktikum lernt. Bald mache ich eine Präsentation in meiner Berufsschule.

Bilder: © Abed Alkader Alazo Alabed, Martina Sommer, Hannes Harnack