Talent-Story zur Europäischen Woche der Berufsbildung

„Ein ganzes Haus aus Holz zu bauen – das hat mich gereizt.“

Philipp - Als Zimmermann-Azubi in Finnland

Das ist Philipp: Gerade hat er mit anderen Azubis einen Dachstuhl auf ihr selbst gebautes Haus gesetzt. Ganze Häuser aus Holz zu bauen – das fasziniert den Zimmermann-Azubi schon länger. Nach Feierabend guckt er gerne den „Timber Kings“ in der gleichnamigen TV-Sendung dabei zu, wie sie Blockhäuser oder Villen aus Holz bauen.  Einmal selber machen! – Eine „coole Idee“, die den 21-jährigen zum Auslandspraktikum nach Järvenpää in Finnland lockte.

Für mein Auslandspraktikum sollte es ein Land sein, in dem Holz eine zentrale Rolle spielt. In Finnland gibt es viele Wälder und die Holzindustrie ist dort die drittgrößte Branche – also genau richtig.
Ich war an einer überbetrieblichen Schule in Finnland. Die Azubis bauen dort Häuser, die die Schule später verkauft! An meinem 1. Tag stand der Sockel. Am 2. Tag kamen die Hohlbeton-Bodenplatten, die man hier sieht.
Dann haben wir die Holzrahmen-Bauwände aufgestellt. Der finnische Meister hat uns Azubis jeweils erklärt, was zu tun war. Er sprach kein Englisch, deshalb mussten andere Azubis für mich übersetzen. Was mir geholfen hat: in der Theorie wusste ich schon, wie es geht, aus der Berufsschule. Das alles jetzt in der Praxis zu machen – das war toll!
"Ich wusste: einen Teil meiner Ausbildung darf ich im Ausland machen. Aber was würde mein Meister dazu sagen, wenn ich länger im Betrieb ausfalle? Unser Betrieb ist auf Wintergärten und Terrassen-Überdachungen spezialisiert und voll ausgelastet. Aber ich hatte Glück, mein Chef hat mich unterstützt. „Unter drei Wochen macht keinen Sinn“, meinte er sogar. Gemeinsam mit der Mobilitätsbeauftragten der Handwerkskammer Düsseldorf, Frau Hof, haben wir dann besprochen, wann und wie der Auslandsaufenthalt sinnvoll für mich ist. Ich war schließlich einen ganzen Monat in Finnland, in einer Zeit, in der ich sonst Berufsschule gehabt hätte. Der Praktikumsplatz wurde mir über das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft vermittelt."

"Die anderen Azubis waren jünger als ich, 16, 17 Jahre alt. Sie bekommen kein Geld in der Ausbildung, das hat man manchmal an ihrer Motivation gemerkt. Wir haben uns dennoch gut verstanden und haben oft zu zweit gearbeitet."

Hier richten wir den Dachtstuhl. Das war für mich der schönste Tag, weil ich mir anfangs gewünscht habe, das zu sehen.
So sah das Haus an meinem letzten Tag aus.

"Ich war in einer Gastfamilie untergebracht - die beste Gastfamilie, die man haben kann. Es gab fast jeden Tag Programm, damit ich Finnland kennenlerne. Die typische finnische Sauna wurde auch gleich am ersten Abend für mich beheizt. Frisbee Golf, auch etwas typisch Finnisches, musste ich erst googeln. Mein Gastbruder hat mich dann mal mitgenommen. Das Prinzip ist wie beim Golfspiel, nur mit einem Frisbee und einem Korb."

Der Dom von Helsinki - weil die finnischen Azubis eine 28-Stunden Woche haben, blieb mir viel Zeit für Sightseeing.
Der Nationalpark Nuuksio. Dort gibt es viele uralte Bäume und tolle Seen.
Während meiner Zeit dort war für finnische Verhältnisse eher untypisches Wetter, fast sommerlich - wie man hier in Porvoo sieht. Porvoo liegt östlich von Helsinki und hat eine schöne Altstadt.
"Meine Eigenständigkeit hat sich weiter entwickelt. Ich war alleine unterwegs, musste mich koordinieren und zurechtfinden, in der Gastfamilie einleben und in das Arbeitsleben integrieren. - Ich kann die Erfahrung nur empfehlen! Vielleicht muss man etwas für die Schule nacharbeiten, aber die Erlebnisse, die man gesammelt hat, hat man für immer und die hat kein anderer."

Alle Bilder © Philipp Christian Neu

Als Azubi ins Ausland

Mut, eine hilfreiche Mobilitätsberaterin, ein fairer Chef und die finanzielle Unterstützung durch Erasmus+ halfen Philipp dabei, sein Auslandspraktikum zu verwirklichen.

Philipps überbetriebliche Ausbildungsstelle hatte ihn mit der Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer Düsseldorf, Frau Hof, in Kontakt gebracht. Frau Hof beriet Philipp, suchte in Finnland nach einem passenden Betrieb für ihn und half, ein Erasmus+ Stipendium zu beantragen.

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Mobilitätsberatung der HWK Düsseldorf