Franziska - Abenteuer Dänemark

Ein Bericht von Franziska Schuster

Wer hätte gedacht, dass ich mich einmal dazu entschließen würde, meine Heimat hinter mir zu lassen und meine Zukunft in Dänemark zu planen? Ich wäre die letzte Person gewesen, die mir das zugetraut hätte. Doch der Reihe nach:

Mein „Abenteuer Dänemark“ begann im Oktober 2017. Ich durfte durch das Programm Erasmus+ für drei Wochen in einem dänischen Kindergarten arbeiten. Zu dieser Zeit besuchte ich in Deutschland das Berufliche Schulzentrum Neustadt an der Waldnaab und absolvierte die Ausbildung zur Kinderpflegerin.

Von Anfang an habe ich in Dänemark viele neue pädagogische Eindrücke gewonnen, die mein gesamtes berufliches und privates Leben geprägt und positiv beeinflusst haben.

Ich fühlte mich vom ersten Tag an wohl und aufgenommen. Die Dänen sind sehr aufgeschlossen und zuvorkommend. Während der drei Wochen wurde ich nicht nur als Praktikantin angesehen, sondern wurde gleich als vollwertiges Mitglied des Kollegiums behandelt.

An den Kindergarten-Alltag gewöhnte ich mich schnell, da es viele Parallelen zu den deutschen Kindergärten gibt, z.B. die Öffnungszeiten oder die Spielzeuge. Es waren jedoch die Unterschiede, die mich so fasziniert und begeistert haben. Beispielsweise halten die Krippenkinder ihren Mittagsschlaf in ihrem eigenen Kinderwagen, der nach draußen an die frische Luft gestellt wird. Egal, welches Wetter herrscht, die Kinder schlafen immer draußen. Zuerst fand ich dies befremdlich, aber mittlerweile sehe ich darin viele positive Aspekte.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Kinder keine Brotdosen, wie in Deutschland üblich, in den Kindergarten mitnehmen, sondern dass das Personal selbst einen Essensplan erstellt und alle Mahlzeiten jeden Tag frisch mit Hilfe der Kinder zubereitet werden.

Bei meinen vorherigen Praktika in Bayern habe ich die Erfahrung gemacht, dass man dort mit den Kindern nur nach draußen zum Spielen geht, wenn das Wetter in Ordnung und alles trocken ist. Hier in Dänemark geht man bei fast jedem Wetter mit den Kindern raus.

Der Außenbereich des Kindergartens ist bewusst ziemlich einfach gehalten, da die Kinder nicht durch zu viele vorgegebene Spielmöglichkeiten in ihrer Kreativität eingeschränkt werden sollen. Dadurch passiert es öfter, dass die Kinder voll Dreck sind oder die Kleidung nass wird. Da immer genug Kleidung zum Wechseln im Kindergarten vorrätig liegt, ist das kein Problem.

All diese positiven neuen Eindrücke und Erlebnisse haben mich dazu gebracht, im März 2018 erneut für drei Wochen über Erasmus+ ein Auslandspraktikum in Dänemark zu absolvieren. Nach meiner erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zur staatlich anerkannten Kinderpflegerin habe ich mich dann entschieden, ein ganzes Jahr nach Dänemark zu gehen.

Während dieser Zeit konnte ich noch mehr Erfahrungen sammeln und Unterschiede feststellen. Ich begleitete viele Aktivitäten und Ausflüge. Beispielsweise fuhren wir mit den Kindern in den Zoo, ans Wattenmeer, in den Wald, gingen in die Bücherei, fuhren ins Museum und hatten Bewegungstage. Der Terminplan der Kinder war sichtlich voll, jedoch nicht im negativen Sinne, denn die Kinder konnten viele neue Dinge entdecken und bekamen tolle Eindrücke.

Da ich in einem deutschen Kindergarten in Dänemark arbeitete, war meine Arbeitssprache Deutsch. Trotzdem wurde die Einrichtung auch von Kindern besucht, in deren Familie kein Deutsch gesprochen wird. Somit musste ich zu Beginn mit Hand und Fuß kommunizieren oder eine dänische Kollegin bitten zu übersetzen. Inzwischen habe ich ein Gehör für die Sprache entwickelt und kann sehr viel verstehen. Klar kann ich noch kein Dänisch sprechen (bis auf vereinzelte Sätze), aber ich kann auf Deutsch antworten und trotzdem funktioniert die Kommunikation bestens. Dies hätte ich mir anfangs nicht vorstellen können.

Während meiner Zeit in Dänemark habe ich festgestellt, dass die Arbeit in einem Kindergarten mein Traumberuf ist. Deshalb habe ich mich zurück in Deutschland entschlossen, die Ausbildung zur Erzieherin anzuhängen.

Ich habe während des Aufenthalts in Dänemark sehr schnell gemerkt, dass ich weit weg von meiner Familie auf eigenen Beinen stehen kann. Der positive Zuspruch der Eltern, meiner Kolleginnen und natürlich die Begeisterung der Kinder, wenn ich etwas mit ihnen geplant hatte, bestätigten mich in meiner Zuversicht, meinen Weg gefunden zu haben.

Ich kann jedem nur empfehlen, Praktika zu absolvieren, egal ob im In- oder Ausland. Sie lassen einen über den Tellerrand blicken und Neues entdecken.

Alle Bilder © Franziska Schuster