Anna-Lena - Mit finnischer Gelassenheit durchs Pflegepraktikum in Helsinki

Ein Bericht von Julia Göhring

Im Bewerbungsgespräch für die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung hört Anna-Lena Winkens das erste Mal davon, dass sie in der Ausbildung ein Auslandspraktikum machen kann. Sofort weiß sie, dass sie das will: „Ich bin jemand, der alle Möglichkeiten ausschöpft. Und ich reise sehr gern!“ Jetzt, im zweiten Ausbildungsjahr, hat es geklappt. Vier Wochen arbeitet Anna-Lena in einem Altenheim in Helsinki: „Eine supertolle Erfahrung!“

Der erste Tag in Helsinki. Wir waren insgesamt vier Auszubildende von unserer Krankenpflegeschule. Hier erkunden wir den Hafen.

„Unsere Betreuerin von der Kooperationsschule in Helsinki hat uns direkt von unserer Unterkunft abgeholt und uns alles erklärt. Sie ist mit uns in die Stadt gefahren, wir haben Bustickets für die gesamte Zeit besorgt und unsere unterschiedlichen Arbeitsstätten angesehen."

Gewohnt haben wir in einem Studierendenwohnheim in einer Einheit mit zwei Schlafzimmern, Küche, Bad und Gemeinschaftsraum. Dort konnten wir zum Beispiel zusammen kochen.

Meine Station in dem Altenheim. Dort leben 16 Bewohnerinnen und Bewohner. Einige hatten Alzheimer, eine Bewohnerin war schizophren. Das war manchmal herausfordernd. Das Team war sehr herzlich und es gab eine große Hilfsbereitschaft. Ich habe jeweils eine der Kolleginnen begleitet.

Ich auf meiner Station. Die normale Arbeitskleidung bestand aus Jeans und T-Shirt. Wenn wir Bewohnerinnen oder Bewohner geduscht haben, gab es zum Schutz der Kleidung diese schicken Kittel und Gummistiefel.

„Auf der Station arbeiten sie mit dem System der Bezugspflege, das heißt, man ist für zwei bis vier Patienten zuständig, um die man sich den ganzen Tag kümmert. Das hat mir gut gefallen, denn man kennt die Patienten dann besser und kann individueller auf sie eingehen als in dem System der Bereichspflege, wo man für einen Teil einer Station zuständig ist. Natürlich ist das auch eine Personalfrage, man braucht ein bis zwei mehr Pflegende auf Station.“

„Die Finnen haben eine viel gelassenere Mentalität bei der Arbeit. Sie nehmen sich auch Zeit für sich, setzen sich auch einmal fünf Minuten hin. Diese Gelassenheit möchte ich mitnehmen. Ich gerate sonst schnell in Hektik bei Stress im beruflichen Alltag. Aber manchmal zwei Gänge zurückschalten – das wirkt sich auch positiv auf die Patientinnen und Patienten aus.“

Das Außengelände des Altenheims. Helsinki ist eine sehr grüne Großstadt mit sehr guter Luft – ganz anders als Mönchengladbach, wo ich die Ausbildung mache.

Hund Hibbo gehört einer Kollegin, die ihn zu allen Diensten mitbringt. Er ist speziell geschult für den Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Nachmittagsaktivität: Die Bewohner sollen die Kegel mit einem Ball umwerfen und Hibbo apportiert den Ball.

„Mein schönstes Erlebnis im Praktikum? - Einmal hatte der Mann einer Patientin, der sie jeden Tag besuchte, ihr viele Cremes, Nagellack und ähnliches mitgebracht. In der Pflegezeit nachmittags, die wir frei gestalten konnten, habe ich für die Patientin eine Maniküre gemacht, wir haben gecremt und getuscht. Sie war so glücklich! Und ihr Mann auch.“

Dies ist die Kathedrale von Helsinki. Wir mussten nur Tagschichten arbeiten und hatten die Wochenenden frei. In unserer Freizeit haben wir viel unternommen, die Stadt und die Umgebung angesehen.

Ein Fischstand in der „Old Marked Hall“ am Hafen von Helsinki, traditionell finnisch.

An einem Wochenende hat mich meine Mutter besucht. Hier sind wir in der historischen Altstadt von Tallinn in Estland. Schon die Hin- und Rückfahrt mit der Fähre von Helsinki ist ein Erlebnis.

„Die Zeit in Helsinki war toll! Es verbessert die Lebensqualität, wenn man einmal aus seinem Trott heraus kommt. Ich habe mir jetzt vorgenommen, öfter etwas Neues auszuprobieren.“

Alle Bilder © Anna-Lena Winkens