Francesca, 24 - Auszubildende mit Hörbehinderung wagen den Schritt ins Auslandspraktikum

von Friederike Wiethölter

Francesca Kornmeier und Mirko Dominik haben sich auf den Weg nach Österreich und Finnland gemacht, um dort zu arbeiten. Ein Auslandspraktikum mit besonderen Herausforderungen, denn Francesca und Mirko sind schwerhörig. Beide sind im Nachhinein froh, dass sie diesen Schritt gewagt haben. Denn sie haben nicht nur ihre beruflichen Kenntnisse erweitert, sondern auch soziale Kompetenzen entwickelt und ihr Selbstvertrauen gestärkt.


Mut zum Auslandsaufenthalt zahlt sich aus

Für ein Praktikum ins Ausland zu gehen hat Francesca zunächst viel Mut gekostet, aber ihre Hörbehinderung hielt sie nicht davon ab, sich diesen lang ersehnten Traum zu erfüllen. Die 24-Jährige Auszubildende im zweiten Lehrjahr als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste absolvierte ihr Praktikum in einer Bibliothek in Klagenfurt (Österreich). Dort wurde sie vor allem am Informationsschalter eingesetzt, so dass sie viel Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern der Bibliothek hatte.

Vor allem zu Beginn der Praktikumszeit war dies aufgrund des Kärntner Dialekts eine große Herausforderung für Francesca. Doch sie merkte rasch, dass ihre Hörbehinderung sie nicht daran hinderte, sich auf diese neue Situation einzulassen: "Die Kommunikation mit den Kollegen und Kunden war durch den Kärntner Dialekt am Anfang etwas schwierig, aber nach kurzer Zeit verstand ich sie immer besser und gewöhnte mich daran." Sowohl der Kundenkontakt als auch das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen verlief ohne Probleme. Dass ihr Umfeld sich gegenüber ihrer Hörbehinderung aufgeschlossen zeigte, war für die junge Praktikantin eine ermutigende Erfahrung.


Selbstvertrauen stärken

Mirko verbrachte seinen Auslandsaufenthalt in einer Marketingfirma in Kotka, Finnland. Eine seiner Hauptaufgaben war es, die Corporate Identity und die Werbemaßnahmen des Unternehmens mit denen seines Ausbildungsbetriebes in Deutschland zu vergleichen. Die besondere Herausforderung lag für den 25-Jährigen darin, sich mit den Kolleginnen und Kollegen auf Englisch zu verständigen. Doch erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Mirko stellte sich der Herausforderung und schaffte es schnell, sich an die englische Sprache zu gewöhnen: "Wenn man einmal die Angst überwunden hat, dann redet man einfach und merkt plötzlich, der andere versteht mich und ich verstehe ihn. Es war ein tolles Gefühl und es gab mir sehr viel Selbstvertrauen."

Durch das Praktikum haben Francesca und Mirko erfahren, dass sie sich trotz ihrer Hörbehinderung auf neue Situationen einstellen und Herausforderungen meistern können. Mirko hält rückblickend fest, dass er durch den Aufenthalt in Finnland nicht nur sein Englisch erheblich verbessert hat, sondern vor allem mehr Selbstvertrauen gewonnen habe. Anderen Hörgeschädigten, Gehörlosen und Azubis mit besonderem Förderbedarf gibt er den Tipp: "Hab den Mut, so etwas zu machen! Ich habe es mit meiner Schwerhörigkeit geschafft, das kannst du auch schaffen!"