Foto: Manfred Kasper

Helen und Maximilian - „Die Kreisverkehre sind in Holland kleiner als bei uns“

Ein Bericht von Helen Korthaneberg, Auszubildende im Blumen- und Zierpflanzenbau, und Maximilian Krohn, Auszubildender in der Landwirtschaft

Text: Manfred Kasper

Maximilian: Ich war sechs Wochen lang auf einem Milchviehbetrieb mit 250 Kühen in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze, eigentlich nicht weit von Lingen und doch eine andere Welt. Es war eine sehr spannende Zeit, zumal auf dem Betrieb eine tolle Atmosphäre herrschte. Es war neu für mich, einmal ins Ausland zu kommen und zu erleben, wie die Landwirtschaft dort läuft. Vor allem aber war es interessant, ein anderes Land und seine Menschen kennenzulernen.

Ich habe direkt auf dem Hof gewohnt und hatte sozusagen Familienanschluss. Das war super, weil ich dadurch wirklich viel mitbekommen habe. Gut war auch, dass wir uns vorher schon kennengelernt hatten – vor dem Praktikum gibt es ja ein Treffen, bei dem man seine Gastgeber und den Betrieb besucht. Das fand ich wichtig, auch weil es einem die Ängste nimmt und man einfach besser weiß, was auf einen zukommt.

Auf dem Hof konnte ich richtig mitarbeiten und tolle Sachen machen. So durfte ich bereits nach einer Woche alleine melken, wobei das gar nicht so schwer war, weil es ein sehr moderner Melkstand war. Das Schwierige war eher, sich die Namen der Kühe zu merken, es waren doch ganz schön viele.

Helen und drei andere Auszubildende und zwei Ausbilder stehen vor einem Park
Helen im Auslandspraktikum (Foto: Christophorus-Werk Lingen)

Helen: Auch bei mir ging es vor allen Dingen darum, einmal etwas Neues kennenzulernen, zu sehen, wie die Dinge in den Niederlanden laufen, und was dort anders gemacht wird als bei uns. Vor meiner Ausbildung hatte ich in der Schule sogar ein Jahr lang Niederländisch gelernt, das konnte ich gut nutzen. Sprachlich ist vieles ja doch sehr ähnlich wie im Plattdeutschen, das versteht man sehr gut.

Schade war, dass ich nicht in einer Familie untergebracht war. Unser Betrieb war ein relativ großes Garten- und Landschaftsbauunternehmen. Wir waren zu viert auf einem Zimmer, vier gute Freundinnen, die alle hier im Christophorus-Werk ihre Ausbildung machen. Das war schön, aber trotzdem anders als bei Maximilian, der viel näher an Holland dran war. Bei der Arbeit waren wir zum Teil aufgeteilt, manchmal in Teams, manchmal auch jeder alleine. Da hat man dann schon eine ganze Menge davon mitbekommen, wie so ein Betrieb funktioniert.

Maximilian: Das war bei mir auch so, wobei meine Tage oft sehr lang waren. Das fing manchmal morgens um halb 7 an und ging abends bis nach 19 Uhr, je nachdem, was noch anstand. Anschließend habe ich dann oft noch was mit meiner Gastfamilie gemacht. So sind wir mal nach Emmen gefahren, in die nächstgelegene Stadt, und haben dort in einem netten holländischen Restaurant gegessen. Etwas schwierig war die Kommunikation, wobei die Eltern ein wenig Deutsch konnten, ansonsten hat uns das Plattdeutsche geholfen.

Toll war auch der Besuch von landwirtschaftlichen Händlern, den wir gemeinsam unternommen haben. Ich habe das Gefühl, dass ich sehr viel von der Landwirtschaft in den Niederlanden mitbekommen habe. Besonders beeindruckt hat mich, wie pfiffig die dort manche Dinge lösen. Zum Beispiel, als wir einmal ein Problem mit einer Zugdeichsel für einen Anhänger hatten. Da haben wir einfach improvisiert und ein dickes Metallstück genommen, das wir wie eine echte Zugdeichsel zurecht gefräst haben.

Mein persönliches Highlight war, als die Familie mich mit einem Trecker auf holländischen Straßen fahren lassen hat. Das war das Beste, was ich je gemacht habe, ich könnte heute noch davon schwärmen! Und übrigens: Die Kreisverkehre sind in Holland kleiner als bei uns.

Helen: Ich fand den Ausflug zu einem Pfannkuchenhaus in der Nähe des Betriebes besonders eindrucksvoll. Es war schon irre, wie viele verschiedene Sorten von Pfannkuchen es dort gab. Wir haben es an den Wochenenden natürlich ausgenutzt, dass wir Freizeit hatten und auch privat einmal ein paar Dinge anschauen konnten. Da habe ich ein ganz gutes Gefühl für die Gegend und die Menschen in den Niederlanden bekommen.

Macimilian und drei weitere Männer stehen vor einem Stall
Maximilian auf dem Hof in den Niederlanden (Foto: Christophoruswerk Lingen)

Maximilian: Mit meiner holländischen Familie habe ich übrigens immer noch Telefonkontakt. Das war schon toll, wie die auf mich und meine Person eingegangen ist. Ich habe denen natürlich erzählt, dass ich wegen meiner Lernschwäche beim Christophorus-Werk eine Ausbildung mache und in manchen Bereichen Probleme habe. Die haben mir dann immer geholfen und gute Ratschläge gegeben.

Helen: Bei mir war das leider etwas unpersönlicher, weil unser Betrieb so groß war. Das hatte aber den Reiz, dass ich einmal erlebt habe, wie die Dinge in einem solchen Betrieb ablaufen. Ich glaube, dass mir das beruflich noch eine Menge bringen wird. Ich habe viele Dinge kennengelernt, die ich hier so nicht hätte kennenlernen können. Das hat meinen Horizont enorm erweitert, mein Bild vom Leben und von der Arbeit im Gartenbau ist breiter geworden.

Als ich dann zurückgekommen bin, war ich schon sehr stolz. Ich war vorher ja noch nie im Ausland gewesen, um dort zu arbeiten. Das war das erste Mal, dass ich mich in einer vorher völlig unbekannten Umgebung zurechtfinden musste. Es war auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung für mich.

Maximilian: Das kann ich nur unterschreiben. Ich hätte am liebsten mein Praktikum noch verlängert. Denn eigentlich gingen die sechs Wochen viel zu schnell vorüber. Wenn mich jemand fragen würde, ich würde es direkt noch einmal machen – am besten noch einmal bei der gleichen Familie!