Matthias - In Österreich zu Gast, in der EU zu Hause

Ein Bericht von Matthias Schmidt, 22, Industriekaufmann

740 Kilometer in Richtung Süden, das Auto vollgetankt und bis oben hin beladen: Drei Wochen Österreich wollen gut überstanden werden. Im Rahmen eines EU-Praktikums ging es für mich ins Salzburger Land, genauer nach Obertrum am See.

Obertrum am See liegt auf 511 Höhenmetern, unweit der deutsch-österreichischen Grenze und hat knapp über 4.600 Einwohner. Im Herzen dieser Ortschaft liegt die Trumer Privatbrauerei Josef Sigl, die sich bereit erklärt hat, mich für drei Wochen aufzunehmen und zu betreuen. Nach Ankunft und Erkundung meines Personalzimmers am Sonntagabend ging es am kommenden Morgen um 09:00 Uhr los mit dem Kennenlernen der neuen Kolleginnen und Kollegen und der Brauerei an sich.

Herzliche Arbeitsatmosphäre

Wie von mir gewünscht lernte ich im Rahmen des Praktikums primär das Brand-Marketing und die „Trumer Welt“ kennen, welche im Allgemeinen das Marketing rund um die Marke Trumer bezeichnet. Die ersten Eindrücke waren phänomenal. Meine Kollegen empfingen mich sehr offen und herzlich - wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge. Sie boten mir auch direkt das „Du“ an, wobei sich dies aber später als üblich und fast schon landestypisch zeigte.

Auch die Räumlichkeiten waren hell, ansprechend und trotz der gemütlichen Art sehr modern. Für mich gab es ein eigenes Notebook und einen eigenen Arbeitsplatz, an dem ich meine Aufgaben auch in direkter Absprache mit meiner Kollegin Manu bearbeiten konnte. Die Arbeitsatmosphäre empfand ich als sehr angenehm. Die Kollegen begegneten sich auf Augenhöhe, arbeiteten sehr eigenverantwortlich und nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Unternehmens. Durch die hohe Eigenkompetenz und eine solch flache Hierarchie gab es nur kurze und somit zeitsparende Kommunikationswege.

Alle Abteilungen eines produzierenden Unternehmens waren auch hier gegeben, da gab es keine grundlegenden Unterschiede zu meinem Heimatunternehmen. Lediglich die Anzahl der Besetzung ist im Vergleich zu meinem Ausbildungsbetrieb, der Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG (Früh Brauerei), deutlich geringer. Die Gesamtanzahl der Mitarbeiter beläuft sich in der Trumer Brauerei auf ca. 45; in Köln stemmen das Gesamtgeschäft ca. 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Mein persönlicher Arbeitsablauf war sehr abwechslungsreich und von Manu bereits für die drei Wochen vorab geplant. So fing ich in der Regel um 09:00 Uhr am Vormittag an und half bei verschiedenen Projekten, stellenweise auch eigenverantwortlich, mit. Am Mittag wurden ca. 30 Minuten Mittagspause eingelegt, schließlich bis 17:00/18:00 Uhr weitergearbeitet. Zu meinen Aufgaben zählten Promotion-Aktionen in der Salzburger Innenstadt, Recherche für Verkaufsaktionen zur Förderung der brauereieigenen Gastronomie oder Benchmarking am österreichischen Biermarkt. Außerdem begleitete ich Außentermine, z.B. einen Vortrag auf dem „Culinary Art Festivals Salzburg 2015“ oder bei der Diplom-Bier-Sommelierausbildung, und besuchte die Logistik bzw. half bei der Auslieferung des Bieres in Skiregionen im Süden Österreichs.

Österreich erkunden

Auch in der Freizeit bekam ich herzliche Unterstützung von Manu und Christian, einem meiner weiteren Kollegen, die mir sämtliche Tipps zum Aus- und Weggehen in Salzburg gaben. Auch für meinen Wochenendtrip nach Wien halfen sie mir mit einer „What to do in Wien“-Liste, die ich auch nahezu erfolgreich „abarbeitete“. Durch die Kollegen der Brauerei erfuhr ich auch zusätzlich einiges über die Region, z.B. weitere sehenswerte Dinge im Umland.

Generell habe ich die Österreicher in der Salzburger Region als sehr gastfreundliche und integrierende Menschen erlebt. Die Familie und die Kirche haben hier einen hohen Stellenwert. So werden auf dem Land die Glocken schon um sechs in der Früh geläutet, und ebenso zu jeder viertel Stunde. Außerdem sind die Österreicher sehr heimatliebend - hier ist eine kleine Parallele zu uns Kölnern bzw. Rheinländern feststellbar. Kulturbedacht verehren die Österreicher ihre Wintersportler und feiern diese wie die Deutschen ihre Fußballer.

Natürlich hat Österreich auch seine eigene Küche, die in den klassischen Wirtshäusern angeboten wird. Wirtshäuser finden sich in so gut wie jeder Ortschaft, in denen, wie man es klischeehaft über das „Ländle“ denkt, jeder jeden kennt und den aktuellen Tratsch und Klatsch austauscht. Österreich stellte sich für mich als etwas teurer als Deutschland heraus. Das liegt in der Regel an der höheren Mehrwertsteuer (10 und 20%). Die Gastronomie liegt preislich aber ähnlich.

Ein bedeutender Unterschied zwischen Österreich und Köln ist allerdings die Sprache. Auch wenn wir alle Deutsch sprechen, gibt es unterschiedliche Akzente oder Ausdrücke. So kam es gelegentlich zu doch lustigen und scherzhaften Situationen, zum Beispiel wenn man ein begrüßungsfreudiges „Na“ in den Raum warf und jeder sich fragte, warum sagt er denn „nein“?

Mit dem Stadtplan unterwegs
Mein Arbeitsplatz
Frühlingshafte Mittagspause am See
Viel zu tun
Eine der weltweit wenigen offenen Gärungen
Echte Wiener Sachertorte

Es lohnt sich!

Drei Wochen zu Gast sein, auf sich selbst gestellt und eventuell auch auf andere angewiesen zu sein - das sind Erfahrungen, die durch ein solches Praktikum vermittelt werden. Ich habe gelernt, mit einer solchen neuen Situation umzugehen. Und mich zu beschäftigen, wenn das Internet mal eine Woche nicht funktioniert und kein Fernseher betriebsbereit in der Ecke steht. Außerdem habe ich bewundernswerte Menschen kennengelernt, die ich hoffentlich noch einmal wieder sehe. Und natürlich hat es mir arbeitstechnisch auch etwas gebracht -  Abläufe wiederzuerkennen, getreu auch nach dem Motto „Wie machen’s die anderen?“, aber auch neue Abläufe zu lernen, zum Beispiel in der Logistik oder in der Auslieferung, war sehr spannend. Mein Fazit: Machen - Es lohnt sich!