Jennifer - Pädagogik in Skandinavien

Hallo, mein Name ist Jennifer. Ich habe im Sommer 2019 meine Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen. Schon als ich die Ausbildung begonnen habe, war das Auslandspraktikum für mich ein großer Anreiz: Ich wollte die Chance nutzen, einmal in einem anderen Land zu arbeiten, dort in die Pädagogik hineinschnuppern, neue Menschen und ihre Kultur kennenlernen. Mein Favoritland war und ist immer noch Schweden, denn Skandinavien ist für pädagogische Arbeit bekannt. Durch die Partnerschaft meiner Berufsschule, der Helen-Keller-Schule in Weinheim, mit der Solklintskolan Förskola in Slite auf Gotland, hatte ich direkt einen Praktikumsplatz sicher. Somit startete ich mein vierwöchiges Abenteuer, gemeinsam mit meiner Mitschülerin Lena, im Mai 2019 mit dem Flug auf die Insel.

Insgesamt bin ich eine Person, die gerne etwas Neues ausprobiert. Doch als der Tag des Abflugs anstand, war ich sehr aufgeregt. Ich war vorher noch nie so lange von zu Hause weg, es war erst mein zweiter Flug, und es ging für mich in ein weit entferntes Land. Doch als Lena und ich im Flugzeug saßen, überdeckten meine Vorfreude und Neugierde auf die kommende Zeit die vorherigen Bedenken.

Lena (rechts) und ich (links).

Auf Gotland gelandet, nahm uns unsere Mentorin am Flughafen direkt in Empfang. Wir sind daraufhin in eine kleine Bäckerei in der Nähe von Visby gefahren. Dabei tauschten wir uns über die verschiedensten Dinge aus, aßen Zimtschnecken und tranken Kaffee oder Tee. Unsere Fika, wie man die Kaffeepause in Schweden nennt, wurde von einer wunderschönen Aussicht begleitet. Einfach herrlich!

 

Unsere Mentorin brachte uns anschließend in unser Zuhause für die nächsten vier Wochen. Es war ein ca. 50qm großes Haus mit Garten, welchen wir mit nutzen durften. Unsere Gasteltern hatten ihr Haus auf dem gleichen Grundstück. Direkt gegenüber des Grundstücks lag schon der Strand. Was für ein Traum!

Der erste Arbeitstag begann für uns voller Vorfreude. Zu Beginn wurde uns die gesamte Einrichtung gezeigt und wir konnten schon einige Kollegen und Kolleginnen kennenlernen. Nach einem kurzen Einführungsgespräch mit unserer Mentorin und unseren Anleiterinnen konnten wir endlich unsere Gruppen kennenlernen. Es war so aufregend.

Ich stellte schnell fest, dass in Schweden vieles ganz anders ist als in meinem Kindergarten in Deutschland. Meine schwedische Kindergruppe bestand aus 14 Kindern mit insgesamt vier Erziehern/Erzieherinnen. Und dann kam ich noch dazu. Im ersten Moment war ich sprachlos über diesen super Personalschlüssel … Manchmal wünsche ich mir diesen auch für Zuhause, da man dadurch viel mehr Möglichkeiten für die eigene pädagogische Arbeit hat. Auch die Öffnungszeiten waren anders. Der Kindergarten öffnet schon um 6:00 Uhr morgens und endet erst um 17:30 Uhr. Das ist ein langer Kindergartentag. Jedoch wird in Schweden sehr viel Wert darauf gelegt, Familien bestmöglich bei der Betreuung zu unterstützen.

Im Freispiel konnten wir intensiv den Kontakt zu den Kindern aufbauen. Auch wenn es mit der schwedischen Sprache etwas schwierig war, halfen uns die Kinder durch Mimik, Gestik und Erklären einzelner schwedischer Wörter beim Lernen. Sie waren unsere kleinen Schwedischlehrer.  

In der Solklintskolan wird nicht nur Wert auf das Freispiel gelegt. Sondern die meiste Zeit wird draußen auf dem Außengelände oder mit Ausflügen in den Wald oder ans Meer verbracht. So schöne Möglichkeiten, die ich in Deutschland vermissen werde, da es personell und durch die verschiedenen Konzepte nicht immer umsetzbar ist. Und natürlich haben wir kein Meer in direkter Nähe.

In unserer Arbeitszeit hatten wir auch schulische Aufgaben zu erledigen. Zu unserem Projektthema „Forschen, Experimentieren, Welt entdecken – ein elementarpädagogischer Bildungsbereich“ entwickelten wir Lernangebote für die Kinder. Dabei war Lenas Schwerpunkt „Aggregatzustände des Wassers“, welchen sie in ihrer Gruppen mit den Fünfjährigen durchführte.

Mein Schwerpunktthema lag bei „Körperwahrnehmung – Bildungsangebote zu den verschiedenen Wahrnehmungskanälen“, welches ich in meiner Gruppe im Alter von drei bis vier Jahren durchführte. Insgesamt waren es zwei toll gesetzte Schwerpunkte mit einer angemessenen und ansprechenden Vielfalt. Die Kinder hatten immer sichtlich Spaß dabei und konnten viel Neues kennenlernen. Das war für uns ein wichtiges Ziel.

Da unsere Arbeitszeit immer um 15:00 Uhr endete, nutzten wir die Nachmittage und die Wochenenden für Ausflüge. Ein Highlight, das uns vor unserer Reise empfohlen wurde, war das Haus von Pippi Langstrumpf. Es liegt im Freizeitpark Kneippbyn.

Die Altstadt in Visby ist von einer alten Stadtmauer umrundet. Das gibt es nur noch selten. Visby ist für mich die schönste Stadt auf Gotland.

Den Samstag des ersten Wochenendes nutzen wir, um gemeinsam mit unserer Mentorin an der Ostküste entlang zu fahren. Es war einfach herrlich. Es gibt so schöne Plätze mit vielen atemberaubenden Aussichten.

Am Freitag der zweiten Arbeitswoche hatten wir frei. Los ging es zu einem langen Wochenende nach Stockholm.

Unsere Abende verbrachten wir oft am Strand oder am nahegelegenen Teich. Von solch einem Sonnenuntergang kann man nur träumen!

Eine traditionelle schwedische Süßspeise ist der Saffranspannkaka mit Marmelade aus Salmbeeren und Sahne. Hmm sehr lecker!

Am Ende des Praktikums kann ich nur sagen, dass ich es bereut hätte, wenn ich diese Chance nicht genutzt hätte. Ich bin wirklich dankbar für diese schöne Zeit, welche ich auf Gotland hatte. Diese Zeit hat mich und meine gesamte Persönlichkeit stärker gemacht. Darauf bin ich wirklich sehr stolz! Man kann durch ein Auslandspraktikum so viele Erfahrungen sammeln, sich selbst besser kennenlernen und auch viele Impulse für den eigenen Arbeitsansatz bekommen, welche man zuhause umsetzen kann. Aus diesem Grund empfehle ich allen werdenden Erziehern und Erzieherinnen: Nutzt diese Chance! Denn solche Erlebnisse kann euch keiner mehr nehmen! Ich bin dankbar, dass mir das Praktikum seitens der Helen-Keller-Schule ermöglicht wurde und dass mich meine Kindergarteneinrichtung in Deutschland dabei so unterstützt hat.

Bilder: © Jennifer Bleicher, Lena Kredel