Tim - Auslandspraktikum am Polarkreis

Einen Auslandsaufenthalt der besonderen Art erlebte Tim Ebert aus dem thüringischen Greiz. Der 20-jährige Kfz-Mechatroniker im dritten Ausbildungsjahr ging im September 2018 für drei Wochen nach Lappland, um dort in einer Werkstatt für PKW und Nutzfahrzeuge zu arbeiten. Gelebt und gearbeitet hat er während dieser Zeit in Sorsele, einer Gemeinde mit rund 2.000 Einwohnern, die mehr als 800 Kilometer nördlich von Stockholm und 120 Kilometer südlich des Polarkreises liegt.

Mich hat der Gedanke gereizt, einmal etwas völlig Anderes zu machen. Das Einzigartige an Lappland ist die Landschaft! Man kann dort ewig weit fahren, ohne in einen Ort zu kommen oder einen Menschen zu treffen. Lappland ist etwas für Naturliebhaber, sicher kam auch ein wenig Abenteuerlust hinzu. Das Besondere aber waren die Menschen. Wer aktiv auf die Leute zugeht, der kann die tollsten Sachen erleben.

Schon meine Anreise war ein Abenteuer, da ich die ganze Strecke mit dem Auto zurückgelegt habe. Am Ende waren es 8.500 Kilometer in drei Wochen, aber ich habe dabei auch sehr viel gesehen.

Das ist eine Aufnahme von unterwegs. Von Trelleborg, wo ich mit der Fähre aus Rostock ankam, bin ich nach Norden gefahren und habe mir zwei Tage Zeit gelassen. Ich wollte etwas sehen vom Land. In Schweden gibt es so viel Natur, das können wir uns in Deutschland manchmal gar nicht vorstellen.

Untergebracht war ich in einer Art Ferienwohnheim für Schüler, in dem ich in dieser Zeit der einzige Bewohner war. Ich hatte dort mein Zimmer, zudem gab es einen Aufenthaltsraum und eine Küche. Da ich allein war, konnte ich mich richtig schön einrichten.

Schwimmen und Sauna gehört in Lappland fast schon zum Alltag. Gleich bei meinem Wohnheim gab es eine Badestelle. Das Wasser hatte allerdings nur 3 Grad, so bin ich nur einmal kurz hineingesprungen.

Das Hauptgeschäft in meinem Betrieb war der PKW-Bereich, es gab jedoch auch einige Nutzfahrzeuge. Das Tolle war, dass ich in unterschiedliche Bereiche hineinschnuppern konnte und so sehr viele unterschiedliche Dinge kennenlernte.

Nach einigen Tagen im Betrieb hat man mich gefragt, ob ich deren Abschleppwagen reparieren kann. Niemand kannte sich mit dem Fahrzeugtyp wirklich aus. Ich habe es versucht, es war echt Handarbeit. Aber es hat geklappt und ich konnte sehr viel dabei lernen.

Das ist der Truck, von dem ich die Ersatzteile, die ich zur Reparatur des Motors brauchte, ausgebaut habe. Wir haben ihn mit Autoreifen „aufgebockt“, da es keine Hebebühne gab.

 Wir haben das Ganze auf einer PKW-Hebebühne gemacht, hier sieht man den Motor, wie er am Kran hängt.

 

Es war sehr improvisiert, aber auf diese Art und Weise lernt man Zusammenhänge besser zu begreifen. Fachlich war es schon eine Herausforderung, hat mir aber gezeigt, dass wir nicht allein auf die Technik setzen, sondern auch das Verständnis von Prozessen fördern sollten.

Die Leute in Schweden waren privat und bei der Arbeit sehr entspannt. Alles, was sie machen, geschieht mit weniger Stress als bei uns. Ich hoffe, mir auch in Deutschland ein Stück von dieser Einstellung zu erhalten und positiv an die Dinge heranzugehen.

Natürlich habe ich in Lappland auch einige tolle Touren gemacht. Ich wurde oft privat eingeladen und war jedes Wochenende woanders. Die Leute waren wirklich sehr offen und wollten mir etwas von ihrer Gegend zeigen.

Einmal bin ich quer durch das Land an die Nordmeerküste in Norwegen gefahren. Das war von Sorsele nicht so weit, wobei am Ende doch wieder einige Kilometer zusammengekommen sind.

Im Winter 2017 lag der Schnee in Lappland 4,50 Meter hoch. Das war leider jetzt noch nicht so, daher konnte ich das Schneemobil nur probesitzen.

In den letzten Tagen meines Aufenthaltes hat es dann auch noch ein wenig geschneit. Das Foto zeigt den Blick von meiner Unterkunft. Mit ein paar Schritten war ich mitten in der Natur.

Das bin ich :-) Als Nachweis, was ich im Ausland gelernt habe, habe ich den Europass Mobilität bekommen.

Ich würde sagen, ich habe eine neue Welt kennengelernt. Eigentlich wäre ich gerne länger geblieben, denn drei Wochen sind schnell rum. Doch ich weiß jetzt schon, dass ich dort auf jeden Fall noch einmal hinfahren werde, gerne auch im Winter.

Bilder: © Tim Ebert, Andreas Jörk