Christian - „Ich habe jeden Tag neue Erfahrungen gemacht“

Ein Bericht von Christian Kretschmar

Ich absolviere meine Ausbildung in NRW, im wundervollen Paderborn bei der Tischlerei Wippermann. Als ich meine Ausbildung begonnen habe, habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Eines Tages wurde diese Möglichkeit unserer Berufsschule vorgestellt. Ein Praktikum in Italien? Mit einigen Freunden haben wir uns darüber informiert und schnell wurde klar: Das machen wir auf jeden Fall!

Organisiert wurde das Praktikum durch die Stiftung Bildung und Handwerk West (SBH West) in Zusammenarbeit mit dem italienischen Partner ENAIP. Über die SBH West habe ich auch das Erasmus+ Stipendium bekommen.

Man denkt, in Deutschland sei der Verwaltungsapparat umständlich, aber da kannten wir die Bürokratie in Italien noch nicht. Glücklicherweise haben uns Angela Bender (SBH West) und Sara Tettamanti (ENAIP) da durch gelotst.
 
Als der ganze Papierkram nun erledigt war, startete ich die Reise mit drei weiteren Klassenkameraden mit dem Auto nach Italien. Unsere Englischkenntnisse haben wir aufpoliert, italienische Basics noch auf der Hinfahrt geübt. Beste Voraussetzungen.

„Anfangs waren meine Aufgaben eher bescheiden: hier mal was angeben, da mal was halten und meistens zuschauen. Das war etwas enttäuschend, da ich in diversen Kursen in Deutschland die Befähigung zum Bedienen der Maschinen erworben hatte. Entgegen meiner Befürchtungen wurde ich aber immer mehr eingebunden und fühlte mich nach kurzer Zeit als Teammitglied. Der Chef hat mich zu seinen Terminen mitgenommen. Dadurch konnte ich Intarsien-Hersteller, Lackierer und auch Arbeiter, die Möbel mit Blattgold beschichten, kennenlernen.“

Ich habe den Umgang mit Stabsperrholz mit MDF-Deck kennengelernt, wie man daran Vollholzkanten anleimt und an der Fräse profiliert. Teile davon und auch andere Ideen werde ich sicherlich in mein Gesellenstück einfließen lassen.

Biemme S.N.C. di Borghi Luigi ist der Name meines Praktikumsbetriebes. Zehn Minuten Fußweg durch Cantù und ich war dort. Die Belegschaft besteht aus dem Chef, zwei Gesellen und einem Auszubildenden. Sie produzieren Möbel, sowohl in Kleinserie, als auch in Einzelfertigung.
Der Azubi Vlad. Glücklicherweise konnte er Englisch, somit war die Verständigung kein Problem.
Mein Chef ist ein herzensguter Mensch und hat uns am Ende zum Essen eingeladen.

„Ich habe täglich neue Erfahrungen sammeln können. Anderes Land, andere Sitten. Kaffeepausen sind ein fester Bestandteil des Arbeitslebens. Das Arbeitstempo ist entspannt, man redet viel miteinander. Ich habe tolle neue Freunde gewonnen, mit denen ich heute noch in Kontakt stehe. Wenn ich die Möbelmesse in Mailand im Jahr 2019 besuche, werde ich die Jungs auf jeden Fall besuchen.“

„Unsere Ansprechpartnerin vor Ort war Sara Tettamanti von ENAIP. Diese Organisation hat auch die Unterkunft gestellt, die ENAIP Lodge. Das ist eine Jugendherberge mit Balkonen in jedem Zimmer und einer Dachterasse mit herrlichem Ausblick auf die Alpen. Außerdem gab es eine Gemeinschaftsküche und WLAN.

Ich teilte mir das Zimmer mit einem Klassenkameraden. Das Frühstück in Italien ist traditionell etwas spärlich. Zwei Zwiebackscheiben mit Marmelade sind nicht gerade ein guter Start in den Tag ;-)
Mit  meinen Klassenkameraden und Sara Tettamanti.

Für unser Abendessen hat uns Sara Tettamanti die Osteria del Boeucc empfohlen. Sebastian der Koch (mittig im Bild) führt dieses Familienunternehmen. Er kann sehr gut Englisch und wir haben uns super verstanden.

Es gab stets zwei Gänge. Pasta und Fleisch. Das Essen war sehr köstlich und absolut empfehlenswert. Auf dem Bild seht ihr Carpaccio – lecker!
„Unternehmungen für unsere Freizeit haben wir spontan durchgeführt. Wir haben u.a. den Möbelproduzenten Riva1920 und den Weltmarktführer für Furniere „Tabu“ besucht. Bei Tabu durften wir (vielen Dank an dieser Stelle an Stefania Romellini!) sogar eine Fabrikbesichtigung machen. Das ENAIP fablab ist ein Lehrinstitut für angehende Tischler. Dort stehen sämtliche typischen Maschinen, an denen geübt werden kann. Bei dessen Besichtigung durften wir eine Laserschneidanlage programmieren, damit sie unsere Entwürfe fertigt.“
Riva1920 Showroom
Tabu Showroom
In Mailand haben wir den berühmten Dom und die Einkaufsmeile mit den astronomisch hohen Preisen besichtigt.
Leckeres original italienisches Eis!
Nightlife :-)
„Das Auslandspraktikum hat mich in jeder Hinsicht bereichert. Ich habe eine andere Herangehensweise an die Herstellung von Möbeln kennengelernt, mit anderen Werkstoffen, Klebern und Materialien gearbeitet. Ich bin offener gegenüber anderen Ansichten geworden. Ich kann mittlerweile etwas mehr als das „Restaurant-italienisch“ und die Zahlen von 1-100 :-) Des Weiteren habe ich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis bekommen, welches bei meinen zukünftigen Bewerbungen ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.“

Alle Bilder © Christian Kretschmar